Texte
Dezembergeschichten von Thomas Schwab
- Winterphantasie
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Meine Phantasie ist der Ort, an dem ich am liebsten bin.
Alle Wirklichkeiten schweben fort und meine Träume bekommen einen Sinn.Wenn in der Nacht die Sterne sich vereinen,
um gemeinsam spielend durch das Universum zu fegen,
sind alle Feen und Geister mit sich im Reinen,
und können getrost sich zur Ruhe legen.Wenn die Sonne sich am Herbstabend schon früh vor dem Mond verneigt,
ohne sich an einem langen Tag verbraucht zu haben,
hat sie dennoch wieder mal bewiesen, wie wichtig es ist, dass sie sich zeigt,
damit die Menschen sie im Herzen tragen.Wenn der Wind am Abend noch eine Runde dreht,
bevor er sich in sein Versteck verzieht
und plötzlich jeder Mensch nach Liebe fleht,
wissen wir was in unserer Phantasie geschieht.Wenn über Nacht der See vereist,
hat das alles schon seinen Sinn.
Auch wenn der Herbst für lange Zeit verreist,
gibt er sich im nächsten Jahr den Stürmen wieder vollends hin.Wenn im November die ersten Schneeflocken die Erde berühren,
weil es der Kinderherzen größter Wunsch,
lassen sich viele Schneefeen dazu verführen,
ihn zu erfüllen, welch geheime Kunst!Wenn der Reiche dem Armen vertraut
und sie sich frierend eine Decke teilen,
haben die Feen in unser Herz geschaut,
und wohl selbst geschrieben, diese Zeilen. - Allerlei Weihnachts-Allerlei
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Alle Jahre wieder, am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
still, still, still, es ist für uns eine Zeit angekommen.
Oh je, oh je, oh je müssen wir jetzt zu den Hirten rennen?
Draußen rieselt leise der Schnee, Schneeflöckchen, Weißröckchen bringen glatte Straßen, jeder hat's vernommen.
Aber Heidschi Bumbeidschi bumbum - bum bum!
Wir kriegen auch noch die restlichen Feiertage - Rum -
und Grog lassen uns wärmer sehen, oh little town of Bethlehem.Kling Glöckchen klinge linge linge linge linge linge ling.
Ich mach die Tür hoch, mach sie auf. Was soll das bedeuten?
Da steht ein Weihnachtsmann vor der Tür. Tochter Zion freue dich!
Mensch , und was freu ich mich erst: „Dass du mich besuchst,
komm rein, lass uns doch froh und munter sein."
„Vom Himmel hoch, da komm ich her",
hör ich ihn sagen. Schlecht geparkt sein Wagen,
kann ihn sehn, durch den oh Tannenbaum,
steht gleich unter der Laterne, was für ein Schlitten - ein Männertraum.Morgen kommt der Weihnachtsmann- nicht zu mir,
denn er ist heute ja schon da.
Dann wird's morgen auch nichts geben.
Oh come, oh come Emmanuel,
auch die restlichen Kinderlein kommet schnell.
Rudolf, das kleine rotnäsige Renntier rennt und rennt und rennt
noch weiter, als das vierte Kerzlein schon brennt.
Es rennt Richtung Januar, Februar, März, April?
Was es beim Osterhasen wohl will...?Little drummer boy stört die Stille Nacht,
er trommelt und trommelt und trommelt, wie immer -
ohne Pause und das auch noch nicht mal sacht.
Oh holy night, wird es denn jedes Jahr schlimmer?
Es ist doch nicht die Möglichkeit. Dann fangen auch noch die
süßer die Glocken nie zu klingen an. Ich denk sie klingen nie
oder klingen die nie süßer? Halleluja! Fröhliche Weihnachten überall?
Was machst denn du da, du Christbaum? Bist der schönste Baum
sagt eine Volksweise. Eher das Volk als - weise –
man nicht auf andere Bäume hin.
Arme Birke, Eiche und Buche werden verachtet, nicht besungen.
Sie werden 's verkraften, notgedrungen.
Tönet durch die Lüfte froher Schall; davon magisch angezogen,
kommt auch noch die Kuh, ich meine die Muh und das Schaf, also das Mäh, also die Muh, die Mäh, die Täterätätätätätätätätätä und natürlich das Boot, also -
kommt auch noch ein Schiff geladen,
erst mal kommt es gefahren und es ist beladen.
Und das nicht schlecht, Bells und Glocken, Trommeln und Socken.
Können wir weiter unsere Weihnacht rocken mit
oh du fröhliche, oh du selige? Wer hört mir hier eigentlich zu wenn ich predige? - Wenn ich die Sonne wäre
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Wenn ich die Sonne wäre, würde
ich dich wärmen, dich jeden Tag umarmen
Ich würde dich in der Nacht beschützen, wenn ich der Mond wäre
Keinen Schritt bräuchtest du mehr zu fürchten.Wenn ich das Meer wäre, könntest du in mir treiben,
bis zu der Insel deiner Träume.
Wenn ich der Wind wäre, würde ich dich hinauf auf Berge wehen,
zu den Wolken die mit dir ins Paradies ziehnWenn ich eine Sternschnuppe wäre würde ich in deine Hände fallen,
damit all deine Träume in Erfüllung gehenAber da ich nur der bin, den du vor dir siehst
Text: Thomas Schwab // November 2004
kann ich nur das tun was ich kann.
Ich kann dir meine Liebe schenken. - Tradition
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Könnt ihr euch vorstellen, dass euch „13 Weihnachtskerle"
an Weihnachten die Lebensmittel stehlen und die Kinder erschrecken?
Nein?
Aber die Isländer können das! Das ist ihre Tradition.
Tradition? - Ja, was ist Tradition?Wenn die Engländer unter Mistelzweigen tanzen
und ihre Geschenke über den Kamin hängen.
Oder wenn wir uns an der Krippe versammeln
und am geschmückten Baum die Kerzen brennen.Wenn in Skandinavien der Glaube an Kobolde erwacht.
Düstere Zwerge und Gnome geistern durch den Monat Jul.
Und in Lateinamerika riesige Kakteen geschmückt ragen in die Nacht,
dann finden das auch die Kids in Rio de Janeiro – cool.Tradition wird es immer geben.
Sie wird die Alten erinnern und die Jungen bewegen.
Bräuche am Leben zu erhalten, ohne Moderne auszuschalten.
Tradition ist ein Bilderbuch in tausend Farben.
Öffnen wir Augen und Herzen, so kann jeder Anteil daran haben. - Stell dir vor es ist Weihnachten
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Stell dir vor, du bist der Beschützer der letzten Flamme.
Das finale Licht flackert in deinen Händen.
Ob es weiter leuchtet oder erlischt, ob es wärmt oder eben nicht.
Sei dir anvertraut.Stell dir vor, du bist der Starke, dessen Schutz man sucht,
dessen Hände wie ein Schirm über die Schwachen gespannt,
Ihnen Deckung bietet und das Böse verbannt.
Dessen Name der erste ist, den man zur Hilfe ruft.Stell dir vor, du bist der Besitzer des Glücks,
um es zu behalten musst du es jede Minute verschenken
Es mit sanften Händen behüten, seinen Flug gen Himmel lenken.
Den Schlüssel bewahren, damit der Mensch nie von dessen Suche kehrt zurück.Stell dir vor es ist Weihnachten und du sollst davon schwärmen,
Deine Erzählungen sollen der Kinder Phantasie Flügel geben
Durch deine Worte sollen in Ihnen bunte Bilder leben,
damit diese zu ewigen Erinnerungen wachsen und sie zeitlebens wärmen.Stell dir vor es ist Weihnachten,
und die Liebe der Kinder ruht in deinen Händen!
Ob Weihnachten leuchtet oder erlischt, ob es wärmt oder eben nicht.
Sei dir anvertraut. - Könntest du mein Gott sein?
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Bist du der Heiler, der mein verletztes Herz kuriert,
verwundet in einem Krieg – genährt von Hass und Streit.
Bist du der Erlöser, der die Ketten sprengt und uns ins Leben hofiert
Kannst du meine Seele öffnen? Bist du bei mir? Bist du weit?Könntest du Vater einer herrenlosen Seele sein?
In einer Welt die zu beschäftigt scheint uns zu sehn!
Könnest du der Freund eines hilflosen Gestrandeten sein?
Kannst du mir meine Ängste nehmen? Kannst du mich eigentlich vestehn?Könnest du mir meine tiefsten Geheimnisse vergeben?
Versorgst du mich mit allem was ich verlange?
Bist du wie mein großer Bruder eben,
der mich belehrt, mich führt, nach dem ich verlange.Und wenn ich alles hinter mich gebracht, der letzte „Sturm" längst verzogen
Was werde ich im Tageslicht wirklich sehen?
Sehe ich die Antworten auf all meine Fragen, habe ich mich belogen?
Und nun erlaube mir eine letzte Frage, eine letzte Frage vor dem Gehen!.Kannst du nun mein Gott sein, mein Erlöser?
- Das Jahr beginnt im Dezember
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An Weihnachten beschließt man alles besser zu machen: Innehalten, Zeit haben, Nachdenken. Ganzkörperkater nach dem Fest kann dann doch schon die Motivation stark senken.
Die Feiertage - erledigt. Ins neue Jahr gerutscht, geprostet mit Freunden und Bekannten, o.k. und die paar Verwandten, superwitzig gefeiert bis um halb eins mit Salzgebäck und schicken Girlanden.
Den Januar verschlafen, den Februar schnell überbrückt, hat eh nur 28 Tage. Steht der März ins Haus, es stabilisiert sich so langsam die Lage. Die erste Sonne, der Schnee verschwindet, somit ist er von gestern und nicht mehr bindend.Im April überlegt man sich wo man den Sommer verbringt. Man putzt das Haus, färbt die Eier und freut sich wenn der erste Vogel singt.
Mai und Juni bringen Wonne und Glück und man stellt fest: Aha - Weihnachten liegt schon ein halbes Jahr zurück. Was hat man in dieser Zeit getan? Hat man sich verändert? Man zieht Bilanz, ein Resümee. Besser in Wort als in Schrift, dann kann man's schneller vergessen, bevor einem die „Alles beim Alten-Akte" in paar Wochen wieder trifft.
Im Juli in die Sonne, in unsere Blütezeit, weit weg von Stress und Alltagsleid. Würde man nur hier leben, hätte man es nie soweit. Der August beschert uns doch schöne Tage und ganz langsam stellen wir uns die Frage, wo ist das Jahr hin, wo ist es geblieben? Bald ist schon September und ich hab immer noch nicht auf Omas Weihnachtskarte zurückgeschrieben.
Die letzten Abende im Freien. Wir nehmen Abschied unter Tränen von Terrasse und Garten und stellen fest, wir müssen bis nächstes Jahr auf dieses Highlight warten. Der Oktober legt sich über uns mit Sturm und Wind, die Heizung läuft, die erste Kerze brennt und wir sind froh, dass wir aus dem Sommer zusammen hier gestrandet sind.
Schockiert sehen wir im Einkaufsregal Lebkuchen und Weihnachtsmann. Tun so, als sei es uns ganz egal. Es ist mal gerade November, haben wir doch schon den ersten Happen Stollen im Mund und machen Termine im Neujahrskalender.
Langsam aber sicher quält uns die Frage, warum man nicht die Januar- Schnäppchen erstand. Erinnert man sich wage, man hatte ja keine Zeit. Würde man diese allerdings jetzt sparen und auch noch das Geld, müsste jetzt nicht in diesen Stress und hätte schon alles im Bunker der eigenen kleinen Welt.Ende November ganz bestimmt der definitive Plan: Wie man sich kleidet, wer was bekommt und was man dann speist. Man muss bestellen, denn die Feiertage sind im Anmarsch, unaufhaltsam. Hoffentlich dieses Jahr mal in weiß.
Der Dezember beginnt leicht festlich mit Nikolaus und Advent. Ihr kennt das: Bis die vierte Kerze brennt vergehen die Wochen rasend schnell. Man hechelt, eilt und rennt, ach ne, wie man das natürlich nur vom Hörensagen von den anderen kennt. Denn man selbst trotzt natürlich dem Stress, dem Konsum und der Industrie. Packt man dann doch noch die letzte Möglichkeit im Schutz der anderen Deppen: jetzt oder nie.
Endlich Stille Nacht, eher eilig als heilig, auf die Minute pünktlich besinnt. Saß man doch erst gestern hier mit Familie und Freunden, tja wie schnell mal wieder ein Jahr verrinnt.
